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Süddeutsche Zeitung vom 03. November 2016

Barbara Mehlich bleibt doch

Mit einem Beirat war Barbara Mehlich bereit weiterzumachen. Foto: Harry Wolfsbauer

Geretsried - Die Krise ist abgewendet: Barbara Mehlich hat den Vorsitz des Christophorus-Hospizvereins Bad Tölz-Wolfratshausen nun doch ein zweites Mal übernommen. Hätte sie sich anders entschieden, hätte der Verein beim Amtsgericht einen Vorsitzenden bestellen müssen. Das aber habe sie nicht verantworten wollen, sagte Mehlich in der Mitgliederversammlung am Mittwochabend. Zu dem Sinneswandel beigetragen hätten auch Veränderungen in der Struktur des Vorstands: Einige Mitglieder hätten sich bereit erklärt, in einem Beirat mitzuwirken. Zudem gibt es mit Hans Lenhardt einen neuen Stellvertreter.

Alfred von Hofacker, Jurist, langjähriges Mitglied und Wahlleiter des Abends, begann die Sitzung mit Worten der Erleichterung. Der Verein sei an der Krise vorbeigeschlittert, habe sie "nur vom Weitem gesehen", und er fühle sich "deutlich wohler", nun dort vor den 20 Mitgliedern zu sitzen, als noch im April. Damals hatte der Vorstand geschlossen verkündet, zur Neuwahl nicht mehr antreten zu wollen. Die Krankenhausseelsorgerin Mehlich hatte den Vorsitz, eine dynamische und anspruchsvolle Aufgabe, vier Jahre zuvor als Quereinsteigerin übernommen. Im Verlauf dieser Zeit seien die Aufgaben ständig gewachsen, zwei Vorsitzende könnten das Pensum ohne zusätzliche Hilfe nicht mehr bewältigen, hieß es im April. Da sich jedoch niemand zur Wahl stellte, blieb der Vorstand zunächst kommissarisch bestehen.

Gleichzeitig gingen Briefe an alle Mitglieder, auch außerhalb des Vereins wurde nach einem möglichen Vorsitzenden gesucht. Auf die Hilferufe des Vereins hin hätten sich ein paar Hospizbegleiter gemeldet, die sich eine Mitarbeit im Beirat vorstellen könnten, sagte von Hofacker. Eine gute Nachricht, die Mehlich ermutigte: "Das war eine Öffnung, daher war ich bereit, es noch einmal zu machen", sagte die Vorsitzende, die am Mittwoch einstimmig gewählt wurde. Der Beirat wird vom Vorstand eingesetzt und in den kommenden Wochen intern bestimmt.

Zu diesem Beirat wollte sich eigentlich auch Lenhardt zählen, aber nachdem er gefragt worden sei, ob er nicht den zweiten Vorsitz übernehmen wolle, habe er nicht ablehnen können: "Wer A sagt, muss auch B sagen", erklärte Lenhardt. Der Rentner und Großvater lebt seit mehr als 30 Jahren im Oberland, davon die meiste Zeit in Wolfratshausen und seit fünf Jahren in Geretsried. Vor 20 Jahren habe er ein persönliches Erlebnis mit der Sterbebegleitung gehabt, berichtete Lenhardt; und als ihn vor fünf Jahren ein Zeitungsartikel wieder daran erinnert habe, sei er dem Christophorus Hospizverein beigetreten.

Lenhardt löst den vorherigen stellvertretenden Vorsitzenden Bernhard Pletschacher ab. Der sei ihr immer eine große Hilfe gewesen, sagte Mehlich in einer kurzen Laudatio, etwa im Angesicht des Zahlen-Durcheinanders, mit dem sie sich in den Anfängen des Opal-Diensts konfrontiert gesehen habe. Zum Abschied überreichte sie Pletschacher ein Element für seine Modelleisenbahn: ein Schutzhäuschen, da es noch keine Hospizvereinshäuser im Repertoire der Modellproduzenten gebe.

Fünf weitere Hospizbegleiter haben kürzlich ihre Ausbildung abgeschlossen, womit der Verein nun 47 Helfer hat. Drei weitere haben sich noch nicht entschieden und nehmen ihre Tätigkeit womöglich zu einem späteren Zeitpunkt auf. Im kommenden Jahr wird das Aufgabengebiet des Vereins weiter wachsen, da dank des neuen Palliativgesetzes Pflegeheime dazu verpflichtet sind, Verträge mit Hospizvereinen zu schließen. Auch der Opal-Dienst wächst: 2017 soll der Landkreis Garmisch-Partenkirchen hinzukommen. Das Opal-Team - kurz für: Oberland Hospiz- und Palliativversorgung GmbH - versorgt sterbende Menschen ambulant, um ihnen einen Tod in vertrauter Umgebung zu ermöglichen. Getragen wird der Dienst derzeit vom Christophorus-Hospizverein, der Kreisklinik Wolfratshausen, dem Hospizkreis Miesbach und dem Krankenhaus Agatharied.

Von Thekla Krausseneck

 

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