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Münchner Merkur vom 02. Dezember 2016

Die Würde des Menschen ist unantastbar

„Diese Arbeit ist für mich eine Selbstfindung.“ Foto: WEB

Icking – „Jeder Mensch hat das Recht auf ein Sterben unter würdigen Umständen.“ Dieses Zitat steht geschrieben auf der Internetseite des Christophorus Hospizvereins Bad Tölz-Wolfratshausen. Vielleicht hat sich Alfred von Hofacker vor vielen Jahren deshalb zum Hospizbegleiter ausbilden lassen, weil das Schicksal seines Vaters ein ganz anderes war.

Cäsar von Hofacker war der Cousin von Claus Schenk Graf von Stauffenberg und kämpfte an seiner Seite im Widerstand gegen Adolf Hitler. Er war maßgeblich am vereitelten Hitler-Anschlag beteiligt, wurde am 25. Juli 1944 in Paris verhaftet, zum Tode verurteilt und am 20. Dezember gleichen Jahres in Berlin ermordet. Alfred von Hofacker hat seinen Vater an Weihnachten 1943 zuletzt gesehen. Er war damals ein Bub im Alter von acht Jahren.

Für sein langjähriges, ehrenamtliches Engagement in der Hospizarbeit erhält Alfred von Hofacker (81) die Isar-Loisach-Medaille des Landkreises. Er lebt heute mit seiner Frau in Irschenhausen in der Gemeinde Icking. In seinem Bücherregal stehen Kunstbände von Van Gogh bis Pablo Picasso. Die Sonne scheint während des Gesprächs über das Sterben und den Tod in sein Wohnzimmer.

Wer in die Situation komme, einen lieben Verwandten in den letzten Stunden beizustehen, der würde erfahren, dass dieser Abschied sehr schwer ist, aber Stärke, Mitgefühl und am Ende sogar einen gewissen Trost bringe, sagt von Hofacker. Der Jurist ist seit der ersten Stunde aktives Mitglied des Hospizvereins. Er begann als Hospizbegleiter.

„Diese Arbeit ist für mich eine Selbstfindung in Bezug auf die Frage: Wie stehe ich selbst zum Tod und Sterben?“ In der Ausbildung, fiel ihm damals auf, sei er als Mann eine Ausnahme gewesen. Deshalb „plädiere er heftig an sein Geschlecht, sich dieser Aufgabe nicht zu verweigern. Auch Männer sind in der Lage das zu tun“, sagt von Hofacker.

Als Berater des Vorstandes und Jurist kümmert er sich heute vornehmlich um die Beratung in Sachen Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht. Er hält immer wieder Vorträge zum Thema. Anstatt eines Honorars wirbt er um Spenden zu Gunsten des Hospizvereins. Von Hofacker ist auch Mitglied in der Ethik-Kommission des Wolfratshauser Kreiskrankenhauses. Zum Glück habe sich in der klassischen Medizin ein Wandel vollzogen: von der bisher auf das Heilen ausgerichteten Behandlung hin zur Einsicht, dass die Heilung irgendwann nicht mehr möglich ist. „Wir legen großen Wert darauf, dass Menschen in Würde und schmerzfrei sterben dürfen.“

Seinem Vater blieb diese Würde verwehrt – im Wissen, für die Sache zu sterben. Neben seiner Hospizarbeit ist Alfred von Hofacker heute ein wichtiger Zeitzeuge, der an Schulen über das Schicksal seiner Familie spricht, die nur dank der Befreiung der Amerikaner überlebt hat. Er erzählt, wie er die schwere Zeit erlebte.

Andrea Weber

 

 

2017
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2016
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2015
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